„Das war ne coole wJB dieses Jahr“

Im Gespäch mit Trainer Dirk Wagner über die wJB-Feldsaison zwischen zwei Lockdowns.

Hatte trotz zahlreicher Einschränkungen viel Freude an der Feldsaison 2020: Dirk Wagner

Dirk, nun ist das letzte wJB-Spiel der Feldsaison 2020 gespielt und irgendwie fühlt sich das für alle komisch an. So kurz. Wann beginnt eigentlich für dich eine Feldsaison?
Startschuss für uns Trainer ist im November/Dezember davor. Da legen wir eine grobe Trainingsplanung fest, diskutieren, wer welche Mannschaft übernimmt und welche Ziele wir uns stecken. Entscheidend ist dabei, welche Spielerinnen mit welchem Potenzial und mit welcher Ausrichtung wir haben, offensiv oder eher defensiv. Daraus erarbeiten wir dann eine Strategie, wie wir spielen wollen. Einen Saisonplan. Am Ende sollte ein Spielsystem stehen, mit dem sich möglichst alle identifizieren können.

Was hattet ihr Trainer für das Feld 2020 vor?
Ja … (lacht) … im Dezember 2019 hatten wir uns das Ziel gesetzt, aufs Treppchen in Bayern zu kommen und dann zur deutschen Zwischenrunde zu fahren. Um dann mal sehen, wie weit es geht. Da sind dann uns ein paar Sachen dazwischen gekommen, Abgänge von Spielerinnen und natürlich Corona.

Ende 2019 berichteten die ersten Medien von einem Virus in China. Im Februar wurden Gebiete in Italien geschlossen, am 11. März wurde Corona zur Pandemie erklärt. Das traf euch mitten beim Trainingsstart.
Genau. Ich glaube, wir haben noch ein Training draußen gemacht. Eine Woche im März. Am 9. März kam dann der Trainingsstopp. Das war schon bitter.

WJB-Training im Zoom-Modus

Dann ging es zu Hause weiter?
Ja, auf ganz unterschiedliche Weise. Ich habe den Mädchen regelmäßig Aufgaben mit taktischen Anweisungen per Whatsapp geschickt. Und ich stand im Kontakt mit Leni, der Kapitänin. Wir haben uns abgestimmt, was läuft und was es braucht. Super war, dass sich die wJB ganz eigenständig organisiert hat: Yoga per Zoom, eine Laufgruppe, die sich via App herausgefordert hat, eine Zoom-Treffen mit einer argentinischen Hockeymannschaft.

Am 18. Mai dann die ersten zaghaften Trainingseinheiten auf dem Platz. Wie war das?
Ich hab mich tierisch für die Mädchen und alle Spieler und Spielerinnen des ESV gefreut, dass sie nun ihrem Hobby wieder nachgehen können. Und ich selber war auch happy, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich kann mich gut erinnern, dass sie Mädels gesagt haben: „Mega toll!“ und am nächsten Tag über den mega Muskelkater geklagt haben (lacht). Das Wetter war auch noch super damals. Die Sonne war da, der Teamspirit war genial und alle hatten Lust auf Hockey!

Bis zum ersten Spiel hat es dann aber noch gedauert …
Zuerst konnten wir ja in Vierergruppe trainieren, dann zu acht, dann als Mannschaft. Ein Spiel war jedoch nicht möglich. Erst nach den Sommerferien standen dann erste Test- und Freundschaftsspiele an. Wobei auch das schwierig war, denn einige Tests wurde wieder abgesagt. Am Ende mussten wir tierisch lange warten, bis wir in einen Hockeyrhythmus gekommen sind.

War der fehlende Rhythmus das Problem beim ersten Ligaspiel gegen den ASV?
Der Wettkampfcharakter fehlte. Das Eingespieltsein. Und dazu kam Pech, dass wir vorne den Ball trotz bester Chancen nicht ins Tor gebracht haben. Auf der anderen Seite hatten wir aber auch Glück, denn der ASV hat seine guten Chancen auch nicht verwertet. So ging das entscheidende Spiel der Saison 0:1 verloren.

Es konnte danach eigentlich nur besser werden, oder?

Im Spiel gegen den MSC zeigte sich, was ein gutes Team erreichen kann

Das Besondere war, dass die Mannschaft aus dem ersten Spiel richtig viel gelernt hat. Wenn man dann das zweite Spiel gegen den MSC sieht, das unglücklich verloren wurde, dann Rosenheim und dann das Spiel gegen TuS … es war eine kontinuierliche Steigerung. Eine coole Entwicklung. Eine Tatsache, die ich für entscheidender halte als die nackten Ergebnisse: wie sich die Mannschaft auf und neben dem Platz und untereinander verhalten hat. Dass sie sich nicht von den ersten beiden Spielen unterkriegen ließ. Ich muss sagen: eine super Truppe!

Schwieriger war es für die wJB2.

Eine glückliche weibliche Jugend B nach ihrem Sieg in Rosenheim

Wir haben ja nur 5 oder 6 reine wJB2-Mädchen. Bei einigen war zudem nicht klar, ob sie ins Ausland gehen oder nicht. So hatten wir eine wJB2 gemeldet und wollten A-Mädchen hochspielen lassen. Dann kam im September ein derartig kompakter Spielplan, dass die A-Mädchen keine wirkliche Chance hatten, hochzuspielen. Das war natürlich sehr schade für die wJB2-Mädchen. Wir haben dann versucht, eine gute Rotation hinzubekommen, sodass möglichst jede einmal spielen kann.

Und jetzt sind wir im nächsten Lockdown … und das auch noch in deiner Abschiedssaison.
Leni hatte beim Pokalfinale gesagt: „Dirk, das war ja jetzt dein letztes Spiel für den ESV.“ Ja bitte nicht, kann ich da nur sagen! Aber ich gehe leider davon aus, dass in der Hallensaison nicht gespielt wird, auch wenn sie bisher nur ausgesetzt und nicht abgesagt ist. Aktuell kann man einen Spielbetrieb aber nicht verantworten. Mal sehen, was so kommt.

Und jetzt?
Werden die Mädchen wieder Challenges und Aufgaben von mir bekommen. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich den 1.12. um 0.01 Uhr frei halten. Wir machen Training! Irgendwer hat mich dann aufgeklärt, dass das ein Dienstag ist … egal. Ich freue mich, die Mädchen schnell wieder zu sehen!
Interview: jl Fotos: sh, jl, privat

Article written by margit